LinkedIn-Begleitung: Warum die Preisspanne so gross ist
CHF 200 pro Monat oder CHF 8'000 pro Monat. Beide Zahlen tauchen auf, wenn du in der Schweiz nach LinkedIn-Begleitung suchst. Das ist kein Zufall. Es spiegelt drei grundverschiedene Modelle wider.
Im einen Extrem machst du fast alles selbst und bezahlst nur Tools. Im anderen Extrem übernimmt ein Team den Grossteil der Produktion und du lieferst nur noch Rohmaterial. Dazwischen liegt das Coaching: jemand, der dir den Weg zeigt, aber nicht für dich geht.
Welches Modell für dich richtig ist, hängt nicht vom Preis ab. Es hängt von drei Faktoren ab: Wie viel Zeit hast du? Wie viel willst du selbst lernen? Und wie schnell soll Wirkung entstehen?
Was folgt: die drei Modelle mit ehrlichen Preisen, klaren Leistungen und den typischen Problemen, die dir niemand vorher sagt.
Das DIY-Modell: CHF 0 bis 200 pro Monat
DIY heisst nicht "ohne Werkzeuge". Es heisst: Du bist der Kopf hinter jedem Post, jedem Profilfeld, jedem Kommentar. Tools nehmen dir Routinearbeit ab. Mehr nicht.
Was du selbst machst
In diesem Modell liegt alles bei dir. Positionierung. Themenwahl. Schreiben. Veröffentlichen. Engagement. Auswertung. Profiloptimierung. Bildauswahl.
Das ist nicht wenig Arbeit. Aber es ist machbar, wenn du dir die Zeit blockst und nicht zwischen Meetings versuchst, einen Post zu produzieren.
Was Tools typischerweise kosten
Eine realistische Toolbox für ernsthaftes DIY:
- ChatGPT Plus oder Claude Pro: rund CHF 22 pro Monat. Hilft beim Brainstorming, beim Strukturieren von Sprachnotizen, beim Polieren von Entwürfen.
- Buffer, Hypefury oder Taplio Lite: zwischen CHF 15 und CHF 65 pro Monat. Für Planung, Vorbereitung und einfaches Analytics.
- Canva Pro: CHF 15 pro Monat. Für Bilder, Karussells und Grafiken.
- LinkedIn Premium (optional): rund CHF 60 pro Monat. Für erweiterte Suchfilter und Analytics.
Ohne Premium und mit nur einem KI-Tool liegst du bei rund CHF 60 pro Monat. Mit voller Toolbox bei CHF 180.
Realistischer Zeitaufwand
Wer zwei bis drei Posts pro Woche produziert und Engagement betreibt, investiert ehrlicherweise vier bis sechs Stunden pro Woche. Verteilt auf drei Slots wirkt das machbar. Im echten Kalender ist es eine spürbare Investition.
Wer CHF 200 Stundensatz hat, verbrennt im DIY schnell CHF 4'000 pro Monat an eigener Zeit. Das steht in keiner Kalkulation.
Wann DIY funktioniert
DIY funktioniert, wenn du gerne schreibst, wenn du den Lernprozess als wertvoll empfindest und wenn deine Position so spezifisch ist, dass niemand anderes sie glaubwürdig formulieren könnte.
Es funktioniert nicht, wenn du Schreiben hasst, wenn dein Kalender voll ist oder wenn du Sichtbarkeit in einem klar definierten Zeitraum brauchst. Dann verlierst du Geld, indem du Zeit verbrennst.
Was du nicht bekommst
Du bekommst keinen Sparringspartner, der dir sagt, wenn du auf der falschen Spur bist. Keine externe Perspektive. Keine Verbindlichkeit ausserhalb deines eigenen Kopfes. Niemand, der dich aus dem Loch zieht, wenn du drei Wochen nichts produziert hast.
Das Coaching-Modell: CHF 800 bis 2'500 pro Monat
Coaching ist Hilfe zur Selbsthilfe. Du machst weiter selbst, aber jemand begleitet dich, gibt Feedback und sorgt dafür, dass du dranbleibst.
Was ein Coach typisch leistet
Ein gutes LinkedIn-Coaching beinhaltet meist:
- Eine Positionierungs-Session zu Beginn, oft drei bis vier Stunden.
- Regelmässige Sparring-Termine, typischerweise alle ein bis zwei Wochen, zwischen 45 und 90 Minuten.
- Feedback auf konkrete Posts, entweder asynchron oder im Termin.
- Profiloptimierung als einmaliges Projekt im ersten Monat.
- Strategische Themen-Workshops im Quartalsrhythmus.
Manche Coaches bieten zusätzlich Gruppen-Sessions, eine Slack-Gruppe oder einen Themenpool an. Die Bandbreite ist gross.
Stundensätze in der Schweiz
Erfahrene LinkedIn-Coaches in der Schweiz liegen zwischen CHF 180 und CHF 350 pro Stunde. Manche arbeiten im Stundenmodell, andere in Monatspaketen. Ein typisches Monatspaket umfasst zwei bis vier Stunden direkter Begleitung plus Feedback und liegt damit zwischen CHF 800 und CHF 2'500.
Die Spanne ergibt sich aus drei Faktoren: Erfahrung des Coaches, Spezialisierung auf deine Branche und Umfang des Pakets.
Was du selbst weiter machen musst
Auch im Coaching-Modell schreibst du selbst. Du planst selbst. Du veröffentlichst selbst. Du kommentierst selbst.
Der Coach gibt dir Struktur, Feedback und Klarheit. Aber die operative Arbeit bleibt bei dir. Wer das nicht versteht und einen Coach bucht, weil er weniger Aufwand will, ist enttäuscht.
Wann Coaching funktioniert
Coaching ist die richtige Wahl, wenn du gerne schreibst, aber an Orientierung oder Verbindlichkeit scheiterst. Wenn du strategisch unsicher bist und einen externen Blick brauchst. Oder wenn du in den nächsten zwölf Monaten ein eigenes System aufbauen willst.
Es ist falsch, wenn du eigentlich Ghostwriting brauchst, aber den Preis scheust. Dann bezahlst du für Sessions, ohne die Hausaufgaben zu machen, und ärgerst dich nach drei Monaten über das verlorene Geld.
Was du nicht bekommst
Du bekommst keine fertigen Posts. Keine Übernahme der Produktion. Keine Garantie für Output, wenn deine Woche kippt. Keine Stimme ausser deiner eigenen.
Das Voll-Ghostwriting-Modell: CHF 2'500 bis 8'000 pro Monat
Voll-Ghostwriting bedeutet, dass jemand für dich schreibt. Nicht statt dir. Die Substanz kommt weiter aus deinem Kopf. Aber das Schreiben, Strukturieren und Polieren übernimmt ein anderer.
Was Ghostwriter typisch übernehmen
Ein vollständiges Ghostwriting-Paket beinhaltet meist:
- Strategie und Positionierung als Fundament.
- Themenrecherche und einen rollierenden Themenplan.
- Interviews oder Sprachnotizen-Auswertung als Hauptquelle für deine Stimme.
- Schreiben aller Posts, oft zwei bis vier pro Woche.
- Veröffentlichung und Monitoring der Performance.
- Engagement-Vorbereitung, also Vorschläge, wo und wie du selbst kommentieren solltest.
- Profilpflege und regelmässige Updates.
- Reporting im Monats- oder Quartalsrhythmus.
Manche Anbieter ergänzen Karussells, Newsletter oder LinkedIn-Live-Vorbereitung. Die Spanne der Leistungen ist breit.
Was du liefern musst
Auch beim Ghostwriting bist du nicht aus dem Spiel. Du bist die Quelle.
Was typisch von dir kommt:
- Sprachnotizen zu Themen, Erlebnissen und Beobachtungen, idealerweise zwei- bis dreimal pro Woche, drei bis fünf Minuten pro Aufnahme.
- Kunden-Insights, also was dir in Gesprächen begegnet, welche Fragen wiederkehren, welche Fehler du beobachtest.
- Freigaben für die Posts vor Veröffentlichung. Manche Modelle arbeiten auch mit Generalfreigabe.
- Persönliche Zeit für ein Strategie-Gespräch pro Monat.
Wer denkt, beim Ghostwriting müsse er gar nichts mehr tun, hat ein falsches Bild. Der Ghostwriter gibt der Substanz eine Form. Die Substanz musst du trotzdem liefern.
Was die Spanne erklärt
Drei Faktoren erklären, warum Ghostwriting zwischen CHF 2'500 und CHF 8'000 liegt:
- Frequenz: Zwei Posts pro Woche kosten weniger als vier oder fünf.
- Branche: Recherche-intensive Themen wie Recht, Medizin oder Technologie kosten mehr als Themen, in denen Erfahrungswissen reicht.
- Recherchetiefe: Posts, die nur deine Sprache abbilden, sind schneller produziert als Posts, die zusätzlich Daten, Quellen oder Studien einbinden.
Dazu kommen Sonderleistungen wie Karussells, Reporting-Tiefe oder die Anzahl der eingebundenen Personen im Unternehmen.
Wann Ghostwriting funktioniert
Ghostwriting ist die richtige Wahl, wenn dein Stundensatz hoch ist, deine Zeit knapp und dein Bedarf nach Sichtbarkeit gross. Wenn du gute Insights hast, aber das Schreiben dich entweder Energie kostet oder schlicht nicht im Kalender unterzubringen ist. Wenn du einen klaren Vertriebs- oder Recruiting-Hebel suchst.
Es ist falsch, wenn du selbst gerne schreibst und nur Druck weggeben willst. Dann verlierst du genau das, was deinen Content unverwechselbar macht.
Wenn du tiefer verstehen willst, wie ein guter Ghostwriting-Prozess aussieht, lies den Beitrag Ghostwriting für Unternehmer: Wie es funktioniert.
Was du nicht bekommst
Du bekommst keine Glaubwürdigkeit auf Knopfdruck. Keine virale Magie. Keine Reichweite ohne Substanz. Wenn deine Insights dünn sind, sieht man das auch im polierten Post.
Drei häufige Probleme bei jedem Modell
Jedes Modell hat eigene Stolpersteine. Wer sie kennt, vermeidet die teuersten.
DIY: Die typischen Probleme
- Zeitmangel killt die Konstanz. Du startest mit zwei Posts pro Woche. In Woche vier kommen ein Kundentermin, eine Reise und eine Erkältung dazwischen. Drei Wochen Stille folgen. Sichtbarkeit verbrennt schneller, als sie aufgebaut wird.
- Fehlende Aussenperspektive. Du schreibst über Themen, die dich beschäftigen, aber nicht deine Zielgruppe. Niemand sagt es dir. Drei Monate später wunderst du dich über magere Engagement-Zahlen.
- KI-Stimme statt eigener Stimme. Du nutzt ChatGPT, polierst zu wenig nach und postest Texte, die nach Software klingen. Dein Netzwerk merkt es. Der Algorithmus auch.
Coaching: Die typischen Probleme
- Hausaufgaben werden nicht gemacht. Der Coach gibt dir eine Struktur, einen Themenpool, ein Format. Du kommst nicht zum Schreiben. Im nächsten Termin sprichst du wieder über Strategie statt über Resultate.
- Falsche Erwartung an Output. Du buchst Coaching und denkst, du bekommst Posts. Bekommst aber Feedback. Frust ist programmiert.
- Zu kurze Laufzeit. Drei Monate sind zu wenig, um eine Positionierung sichtbar zu machen. Wer nach diesem Zeitraum aufhört, hat investiert, ohne zu ernten.
Ghostwriting: Die typischen Probleme
- Zu wenig Input vom Kunden. Du buchst ein Ghostwriting-Paket, lieferst aber keine Sprachnotizen. Der Ghostwriter recycelt alte Inhalte. Deine Stimme verflacht.
- Falsche Tonalität, weil das Briefing dünn war. Die ersten Posts klingen nach jedem anderen Berater. Statt nachzuschärfen, lässt du es laufen. Die Differenzierung geht verloren.
- Keine Verzahnung mit Vertrieb. Du produzierst Content, ohne zu wissen, wofür. Anfragen kommen, aber unqualifiziert. Niemand misst die Wirkung. Nach einem Jahr fragst du, ob sich das alles gelohnt hat.
So findest du dein Modell: Vier Fragen
Vier Fragen. Die meisten Beratungsgespräche zu diesem Thema drehen sich im Kreis. Diese nicht.
Frage 1: Wie viele Stunden pro Woche kannst du realistisch investieren?
- Weniger als zwei Stunden? Ghostwriting.
- Zwei bis vier Stunden? Coaching, vielleicht mit punktueller Schreibhilfe.
- Mehr als vier Stunden? DIY ist möglich, eventuell mit Coaching für die ersten Monate.
Frage 2: Schreibst du gerne?
- Du liebst es? DIY oder Coaching.
- Du machst es, wenn es sein muss? Coaching mit Schreibhilfe.
- Du hasst es? Ghostwriting.
Frage 3: Wie schnell brauchst du Resultate?
- In zwölf Monaten reicht? DIY funktioniert.
- In sechs Monaten? Coaching beschleunigt.
- In drei Monaten sichtbare Bewegung? Ghostwriting.
Frage 4: Wie hoch ist dein Stundensatz im Hauptgeschäft?
- Unter CHF 150? DIY ist wirtschaftlich vertretbar.
- CHF 150 bis CHF 300? Coaching rechnet sich.
- Über CHF 300? Ghostwriting ist meist günstiger als die eigene Zeit.
Wenn drei der vier Antworten in dieselbe Richtung zeigen, hast du dein Modell.
Was eine seriöse Offerte enthält: Checkliste
Egal ob Coaching oder Ghostwriting: eine seriöse Offerte beantwortet diese Punkte schriftlich.
- Klare Leistungsbeschreibung in Stunden, Posts oder Sessions pro Monat.
- Konkrete Verantwortlichkeiten für beide Seiten, nicht nur "wir machen X".
- Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen, idealerweise nicht länger als drei Monate Mindestlaufzeit.
- Onboarding-Prozess mit Zeitaufwand und Meilensteinen.
- Reporting, also was du wann bekommst und in welcher Form.
- Eskalationsweg, falls Posts zu schwach sind oder Termine ausfallen.
- Eigentumsrechte an den Posts, Themen und Recherche.
- Datenschutz und Vertraulichkeit, wenn dein Ghostwriter mit sensiblen Insights arbeitet.
- Klare Preisstruktur, ohne versteckte Add-ons für Karussells, Bilder oder Reporting.
Wer dabei ausweicht, verkauft dir Vertrauen statt Leistung.
Rote Flaggen bei Anbietern
Drei Signale sollten dich aufhorchen lassen:
Garantierte Reichweite oder Followerzahlen. Niemand kann dir auf LinkedIn Reichweite garantieren. Wer es behauptet, arbeitet mit Pods, gekauften Likes oder Bots. Das schadet langfristig deiner Sichtbarkeit und im schlimmsten Fall deiner Glaubwürdigkeit.
Posts ohne Input vom Kunden. Wenn dir jemand verspricht, du müssest gar nichts liefern, dann produziert er Content über dich, nicht für dich. Das wird austauschbar und unsichtbar.
Templates ohne Anpassung. Wenn du in der Offerte oder im ersten Probemonat erkennst, dass deine Posts wie die Posts von zehn anderen Kunden klingen, ist dein Geld weg. Echte Begleitung passt sich an dich an, nicht umgekehrt.
Eine vierte Flagge: keine Referenzen, keine Beispiele, keine Kontakte zu bestehenden Kunden. Wer in der Schweiz seriös arbeitet, hat das.
Das richtige Modell ist das, das du durchhältst
Die teuerste LinkedIn-Begleitung ist die, die du nach drei Monaten abbrichst. Die billigste ist die, die du zwölf Monate konsequent durchziehst.
Ob du DIY machst, einen Coach buchst oder Ghostwriting beauftragst: Das ist sekundär. Wichtig ist, dass das Modell zu deinem Kalender, deinem Stundensatz und deinem Schreibtemperament passt.
Fang mit Frage 1 der Matrix an. Schreib die Antworten auf. Lies sie morgen nochmal. Und entscheide dann.
Wer eine Strategie sucht, bevor er das Modell wählt, findet im Beitrag LinkedIn Content-Strategie entwickeln: Vom Post zum System den Rahmen.
Im Wortfreunde Studio begleiten wir Unternehmer in allen drei Modellen. Mit klaren Offerten, definierten Verantwortlichkeiten und einer Mindestlaufzeit, die Wirkung zulässt, ohne dich zu binden.