Das Problem: Du schreibst Inhalte, die niemand sucht
Du hast einen Blog gestartet. Vielleicht postest du regelmässig auf LinkedIn. Du investierst Zeit und Energie in Content. Aber der organische Traffic bleibt aus. Keine Anfragen über Google. Keine neuen Besucher.
Der Grund ist meistens simpel: Du schreibst über Themen, die du wichtig findest. Nicht über Themen, die deine Kunden bei Google eingeben.
Keyword-Recherche schliesst genau diese Lücke. Sie zeigt dir, welche Fragen deine Zielgruppe stellt, welche Begriffe sie verwendet und wo du mit deinem Content ansetzen solltest.
Das Beste daran: Du brauchst dafür kein teures SEO-Tool. Die besten Erkenntnisse gewinnst du mit kostenlosen Tools und gesundem Menschenverstand.
Was Keyword-Recherche wirklich bedeutet
Vergiss alles, was du über SEO-Agenturen und deren 50-seitige Keyword-Analysen gehört hast. Für ein KMU bedeutet Keyword-Recherche im Kern nur eines: Herausfinden, was deine potenziellen Kunden bei Google eintippen.
Das ist keine Raketenwissenschaft. Es ist systematisches Zuhören.
Wenn du als Berater, Treuhänder oder IT-Dienstleister arbeitest, stellen dir deine Kunden im Erstgespräch bestimmte Fragen. Diese Fragen tippen sie vorher bei Google ein. Genau dort sollte dein Content auftauchen.
Drei Dinge, die du bei der Keyword-Recherche herausfinden willst:
- Welche Begriffe verwenden deine Kunden (nicht deine Branche)?
- Welche Fragen stellen sie zu deinem Thema?
- Wie gross ist die Nachfrage und wie stark ist der Wettbewerb?
Long-Tail vs. Head Keywords: Warum kleine Keywords für KMU wertvoller sind
Bevor wir in die Praxis einsteigen, ein kurzer Exkurs. Es gibt zwei Arten von Keywords:
Head Keywords sind kurze, allgemeine Begriffe. Zum Beispiel "SEO" oder "Content Marketing". Sie haben ein hohes Suchvolumen, aber auch massive Konkurrenz. Als KMU hast du gegen grosse Portale und Agenturen keine Chance.
Long-Tail Keywords sind längere, spezifischere Suchbegriffe. Zum Beispiel "Content Marketing für Treuhandbüro" oder "SEO Beratung Zürich für KMU". Sie haben weniger Suchvolumen, aber drei entscheidende Vorteile:
- Weniger Wettbewerb. Du konkurrierst nicht mit den Grossen.
- Höhere Relevanz. Wer so spezifisch sucht, ist näher an einer Entscheidung.
- Bessere Conversion. Diese Suchenden wissen, was sie wollen.
Für KMU in der Schweiz gilt: Ein Long-Tail Keyword mit 30 Suchanfragen pro Monat, das genau deine Zielgruppe trifft, ist wertvoller als ein Head Keyword mit 5000 Suchanfragen, das nur Studenten und Praktikanten anzieht.
Fokussiere dich auf Long-Tail Keywords. Das ist dein Spielfeld.
Schritt 1: Starte mit deinen Kundengesprächen
Das beste Keyword-Tool ist kein Tool. Es sind deine eigenen Kundengespräche.
Nimm dir 30 Minuten und beantworte diese Fragen schriftlich:
- Welche Fragen stellen mir Kunden im Erstgespräch?
- Welche Probleme beschreiben sie mit ihren eigenen Worten?
- Welche Begriffe verwenden sie (nicht die Fachbegriffe deiner Branche)?
- Welche Bedenken oder Einwände kommen immer wieder?
Beispiel: Du bist IT-Dienstleister. Deine Kunden fragen nicht "Wie implementiere ich eine Zero-Trust-Architektur?". Sie fragen "Wie schütze ich mein KMU vor Hackern?" oder "Was kostet IT-Sicherheit für kleine Firmen?".
Schreib alles auf. Unzensiert. Jede Frage, jedes Problem, jeder Begriff. Das ist deine Keyword-Rohliste. In der Regel hast du nach dieser Übung 15 bis 30 potenzielle Themen.
Schritt 2: Google Suggest und "Nutzer fragen auch"
Jetzt nimmst du deine Rohliste und lässt Google die Arbeit machen.
Google Autocomplete nutzen
Öffne Google und gib einen deiner Begriffe ein. Tippe langsam und beobachte die Vorschläge. Google zeigt dir, was andere Menschen mit ähnlichen Begriffen suchen.
Gib zum Beispiel "Content Marketing KMU" ein. Google schlägt dir Varianten vor wie:
- Content Marketing KMU Strategie
- Content Marketing KMU Beispiele
- Content Marketing KMU Budget
- Content Marketing KMU Schweiz
Jeder dieser Vorschläge ist ein echtes Keyword, nach dem echte Menschen suchen. Notiere alle relevanten Varianten.
Tipp: Probiere verschiedene Anfangsbuchstaben. Gib "Content Marketing KMU a" ein, dann "Content Marketing KMU b" und so weiter. Du bekommst so noch mehr Ideen.
"Nutzer fragen auch" auswerten
Suche nach einem deiner Keywords und scrolle zu den "Nutzer fragen auch"-Boxen in den Suchergebnissen. Google zeigt dir dort die häufigsten verwandten Fragen.
Diese Fragen sind Gold wert. Jede einzelne ist ein potenzieller Blogartikel oder eine Zwischenüberschrift in einem bestehenden Artikel.
Klicke auf die Fragen. Es erscheinen neue Fragen. So kannst du dutzende verwandte Suchbegriffe sammeln, ohne einen Rappen auszugeben.
Schritt 3: Kostenlose Tools für Keyword-Daten
Deine Liste wächst. Jetzt willst du wissen, welche Keywords tatsächlich gesucht werden und wo die Konkurrenz steht. Dafür gibt es vier kostenlose Tools, die vollkommen ausreichen.
Google Search Console
Wenn du bereits eine Website hast, ist die Google Search Console dein wichtigstes Tool. Sie zeigt dir:
- Für welche Keywords deine Website bereits in den Suchergebnissen erscheint
- Wie oft diese Keywords gesucht werden (Impressionen)
- Wie oft Nutzer darauf klicken (Klicks)
- Auf welcher Position du im Durchschnitt stehst
So nutzt du die Daten: Gehe auf "Leistung" und sortiere nach Impressionen. Du findest dort Keywords, für die du bereits sichtbar bist, aber noch nicht auf den vorderen Plätzen. Das sind deine Quick Wins: Erstelle oder optimiere Content für genau diese Keywords.
Falls du die Search Console noch nicht eingerichtet hast: Tu es heute. Die Einrichtung dauert 10 Minuten und kostet nichts.
AnswerThePublic
AnswerThePublic visualisiert Fragen, die Menschen zu einem Thema stellen. Gib ein Keyword ein und du bekommst eine Übersicht mit Fragen (Was, Wie, Warum, Wann), Vergleichen (vs., oder, gegen) und Präpositionen (für, mit, ohne).
In der kostenlosen Version hast du eine begrenzte Anzahl Suchen pro Tag. Das reicht für den Start.
Die Ergebnisse sortierst du nach Relevanz für dein Angebot. Nicht jede Frage ist ein gutes Keyword. Aber die relevanten Fragen zeigen dir exakt, welche Inhalte du erstellen solltest.
Ubersuggest (kostenlose Version)
Ubersuggest von Neil Patel bietet in der kostenlosen Version:
- Suchvolumen für Keywords
- Keyword-Schwierigkeit (wie hart der Wettbewerb ist)
- Verwandte Keyword-Ideen
- Content-Ideen basierend auf bestehenden Rankings
Drei kostenlose Suchen pro Tag sind limitiert. Nutze sie gezielt für deine wichtigsten Keywords. Notiere Suchvolumen und Schwierigkeitsgrad.
Google Trends
Für den Schweizer Markt ist Google Trends besonders nützlich. Du kannst:
- Das Suchinteresse nach Region filtern (Schweiz)
- Saisonale Schwankungen erkennen
- Verwandte Suchanfragen finden
- Zwei Keywords miteinander vergleichen
Beispiel: Du bist unsicher, ob du über "Buchhaltung Software" oder "Buchhaltungsprogramm" schreiben solltest. Google Trends zeigt dir, welcher Begriff in der Schweiz häufiger gesucht wird.
Schritt 4: Keywords bewerten und priorisieren
Du hast jetzt eine lange Liste. 50, 80, vielleicht 100 Keywords. Das ist gut. Jetzt musst du priorisieren. Nicht jedes Keyword verdient einen eigenen Artikel.
Bewerte jedes Keyword anhand von drei Kriterien:
Relevanz (Passt es zu deinem Angebot?)
Die wichtigste Frage: Würde jemand, der dieses Keyword sucht, zu deinem Kunden werden können? Wenn nicht, streiche es von der Liste. Egal wie hoch das Suchvolumen ist.
Bewertung: Hoch, Mittel oder Niedrig.
Suchvolumen (Sucht jemand danach?)
Für KMU in der Schweiz gelten andere Massstäbe als für globale Unternehmen. Ein Suchvolumen von 50 bis 200 pro Monat ist im B2B-Bereich völlig ausreichend. Selbst 20 Suchanfragen können wertvoll sein, wenn es genau deine Zielgruppe ist.
Wettbewerb (Kannst du auf Seite 1 kommen?)
Suche das Keyword bei Google. Wer rankt auf den ersten Positionen? Wenn dort grosse Portale, Wikipedia und etablierte Fachmagazine stehen, wird es schwer. Wenn dort kleinere Websites, Foren oder veraltete Inhalte auftauchen, hast du eine Chance.
Die Priorisierungs-Formel für KMU: Hohe Relevanz + niedriger Wettbewerb schlägt immer hohes Suchvolumen + hoher Wettbewerb.
Erstelle eine einfache Tabelle. Drei Spalten: Keyword, Relevanz, Wettbewerb. Sortiere nach Relevanz absteigend. Die Top 10 sind deine ersten Content-Themen.
Schritt 5: Vom Keyword zum Content-Thema
Ein Keyword ist noch kein Artikel. Jetzt machst du aus deinen priorisierten Keywords konkrete Content-Themen.
Für jedes Keyword stellst du dir drei Fragen:
- Welche Suchintention steckt dahinter? Will der Suchende eine Anleitung, einen Vergleich, eine Definition oder eine Empfehlung?
- Welches Format passt am besten? Ein How-to-Artikel, eine Checkliste, ein Vergleich, eine FAQ-Seite?
- Welchen Mehrwert kann ich bieten, den die aktuelle Seite-1-Ergebnisse nicht liefern?
Beispiel: Das Keyword "IT-Sicherheit KMU" hat verschiedene Suchintentionen. Manche wollen eine Checkliste, andere eine Kosteneinschätzung, wieder andere suchen einen Anbieter. Erstelle für jede Intention einen eigenen Inhalt.
Wenn du einen Redaktionsplan hast, ordne die Themen direkt in deinen Plan ein. So wird aus deiner Keyword-Liste ein konkreter Publikationsplan.
Besonderheiten für den Schweizer Markt
Die Schweiz hat Eigenheiten, die deine Keyword-Recherche beeinflussen.
Kleineres Suchvolumen. Der Schweizer Markt hat 8.8 Millionen Einwohner. Das Suchvolumen für B2B-Keywords liegt oft bei 10 bis 100 Suchanfragen pro Monat. Lass dich davon nicht abschrecken. Diese wenigen Suchanfragen kommen von genau den Menschen, die du erreichen willst.
Sprachliche Besonderheiten. Schweizer suchen anders als Deutsche. "Geschäftsleitung" statt "Geschäftsführung". "Liegenschaft" statt "Immobilie". "Treuhand" statt "Steuerberater". Achte auf diese Unterschiede bei deiner Keyword-Recherche.
Regionale Keywords. Viele B2B-Kunden suchen lokal. "IT-Beratung Zürich", "Treuhand Bern", "Webdesign Agentur Basel". Wenn du lokal tätig bist, ergänze deine Keywords um deine Stadt oder Region.
Mehrsprachigkeit. Je nach Zielgruppe solltest du auch französische oder italienische Keywords prüfen. Für die Deutschschweiz gilt: Schweizer Hochdeutsch (ss statt Eszett), aber ansonsten dieselben SEO-Prinzipien wie für den deutschen Markt.
Typische Fehler bei der Keyword-Recherche
Diese Fehler sehe ich bei KMU immer wieder:
- Nur auf Suchvolumen schauen. Ein Keyword mit 5000 Suchanfragen, das nicht zu deinem Angebot passt, bringt Traffic ohne Wert. Relevanz kommt immer zuerst.
- Fachbegriffe statt Kundensprache verwenden. Du nennst es "umfassende Prozessoptimierung". Dein Kunde sucht nach "Wie spare ich Zeit im Büro?". Schreibe in der Sprache deiner Kunden.
- Einmal recherchieren und nie wieder. Suchverhalten verändert sich. Prüfe deine Keywords alle 3 bis 6 Monate. Die Google Search Console zeigt dir laufend neue Chancen.
- Zu viele Keywords pro Artikel. Ein Artikel, ein Haupt-Keyword, 2 bis 3 verwandte Begriffe. Das reicht. Wenn du zehn Keywords in einen Artikel packst, rankst du für keines davon.
- Keywords ignorieren, die wenig Suchvolumen haben. Im Schweizer B2B-Markt kann ein Keyword mit 20 Suchanfragen einen Kundenwert von mehreren tausend Franken haben.
Was du jetzt tun solltest
Du brauchst kein teures Tool und keinen SEO-Experten, um die richtigen Keywords zu finden. Du brauchst 30 Minuten, deine Kundengespräche und ein paar kostenlose Tools.
Hier ist dein konkreter Aktionsplan:
- Heute: Schreib 20 Fragen auf, die deine Kunden regelmässig stellen.
- Diese Woche: Prüfe jede Frage mit Google Suggest und "Nutzer fragen auch". Ergänze deine Liste.
- Nächste Woche: Bewerte deine Keywords nach Relevanz und Wettbewerb. Priorisiere die Top 10.
- In zwei Wochen: Erstelle den ersten Artikel für dein wichtigstes Keyword.
Die Keyword-Recherche ist kein einmaliges Projekt. Sie ist ein laufender Prozess, der dir zeigt, wo deine Kunden gerade stehen. Wenn du das verstehst, schreibst du Content, der gefunden wird. Und Content, der gefunden wird, bringt Kunden.
Wenn du Unterstützung brauchst, deinen Content strategisch aufzubauen, melde dich bei uns. Wir helfen dir, von der Keyword-Recherche bis zum fertigen Artikel.
FAQ: Häufige Fragen zur Keyword-Recherche
Brauche ich ein kostenpflichtiges SEO-Tool?
Für den Start nicht. Die Google Search Console, Google Suggest, AnswerThePublic und Ubersuggest in der kostenlosen Version decken die wichtigsten Grundlagen ab. Ein kostenpflichtiges Tool wie Ahrefs oder Semrush lohnt sich erst, wenn du regelmässig Content produzierst und deine Rankings systematisch tracken willst. Für die meisten KMU ist das ab 10 bis 20 veröffentlichten Artikeln sinnvoll.
Wie viele Keywords brauche ich für einen Artikel?
Fokussiere dich auf ein Haupt-Keyword und 2 bis 3 verwandte Begriffe. Google versteht den Kontext deines Artikels und rankt ihn automatisch für verwandte Suchanfragen. Keyword-Stuffing schadet mehr als es nützt.
Wie oft sollte ich meine Keywords aktualisieren?
Prüfe deine Keywords alle 3 bis 6 Monate. Schau regelmässig in die Google Search Console, welche neuen Suchbegriffe auftauchen. Suchverhalten verändert sich. Neue Trends entstehen. Begriffe, die gestern niemand kannte, können morgen relevant sein.
Was mache ich, wenn mein Keyword kaum Suchvolumen hat?
Im Schweizer B2B-Markt ist das normal. 20 bis 50 Suchanfragen pro Monat können für ein KMU extrem wertvoll sein. Entscheidend ist nicht das Volumen, sondern die Qualität der Suchenden. Wenn genau deine Zielgruppe diesen Begriff sucht, lohnt sich der Content.
Wie erkenne ich, ob ein Keyword zu meiner Zielgruppe passt?
Suche das Keyword bei Google und analysiere die Suchergebnisse. Sprechen die Ergebnisse deine Zielgruppe an? Wenn dort Inhalte für Grosskonzerne, Studenten oder eine andere Branche auftauchen, passt das Keyword wahrscheinlich nicht. Wenn dort Inhalte stehen, die deiner Zielgruppe ähneln, bist du richtig.