KI-Bilder im Content: Wo sie helfen und wo sie Vertrauen kosten
KI-Bilder helfen bei abstrakten Illustrationen, Entwürfen und Varianten. Als Beleg, Teamfoto oder Produktrealität kosten sie Vertrauen. Matrix, Checkliste und Ablauf helfen bei der Wahl.
Jan-Hendrik HeuingAktualisiert
Das Bild ist schnell erstellt. Der Eindruck bleibt.
Du brauchst ein Bild für einen Artikel oder LinkedIn-Post. Ein Shooting ist nicht geplant, die Bilddatenbank gibt nichts Passendes her. Also beschreibst du eine Szene und erhältst kurz darauf mehrere Varianten.
Technisch ist das Problem gelöst. Inhaltlich fängt es jetzt an.
Ein generiertes Bild kann eine abstrakte Aussage verständlich machen. Es kann aber auch etwas vortäuschen, das nie stattgefunden hat. Ein erfundenes Team, ein fiktives Produkt oder eine angebliche Arbeitssituation kostet Vertrauen, sobald der Widerspruch auffällt.
Die entscheidende Frage lautet: Welche Aufgabe hat das Bild?
Illustration und Dokumentation sind zwei verschiedene Dinge
Eine Illustration zeigt eine Idee. Sie verdichtet, vereinfacht oder übersetzt einen Gedanken in eine visuelle Form. Niemand muss annehmen, dass die dargestellte Szene stattgefunden hat.
Ein dokumentarisches Bild behauptet etwas über die Realität. Es zeigt angeblich dein Team, dein Produkt, einen Anlass, eine Baustelle oder ein Kundenresultat. Dafür brauchst du echtes Material. Ein synthetisches Bild kann keinen Beleg liefern.
Diese Grenze gilt auch für Bilder, die fotorealistisch aussehen. Fotorealismus macht eine Darstellung nicht dokumentarisch. Er erhöht nur das Risiko, dass Menschen sie dafür halten.
Nutze deshalb einen einfachen Test:
Funktioniert das Bild noch, wenn direkt daneben «synthetische Illustration» steht?
Wenn ja, passt der Einsatz wahrscheinlich. Wenn die Wirkung davon abhängt, dass niemand die Herkunft erkennt, lass es weg.
Entscheidungsmatrix nach Einsatzgebiet
| Einsatz | KI-Bild geeignet? | Sinnvoller Einsatz | Bessere Wahl bei |
|---|---|---|---|
| Blogartikel | Ja, oft | Abstrakte Titelbilder, Metaphern, stilisierte Szenen | Fallbeispielen, Produkten, Orten und Resultaten |
| Bedingt | Eine klare visuelle Idee, die den Beitrag ergänzt | Persönlichen Geschichten, Team-Einblicken und Arbeitsalltag | |
| Anzeigen | Mit Vorsicht | Klar erkennbare Konzepte oder fiktive Welten | Produktversprechen, Vorher-Nachher-Bildern und Testimonials |
| Präsentationen | Ja | Moodboards, Zukunftsszenarien und frühe Entwürfe | Statusberichten, Kennzahlen und Projektbelegen |
| Kundenarbeit | Nur nach Absprache | Ideenskizzen und abgestimmte Konzeptvarianten | Abnahmen, Referenzen und angeblichen Kundenergebnissen |
| Team, Events und Cases | Nein | Höchstens als klar getrennte Illustration | Allen Aussagen darüber, wer da war und was passiert ist |
Die Matrix ist kein Ersatz für dein Urteil. Sie zeigt aber die Richtung: Je näher ein Bild an einer überprüfbaren Behauptung liegt, desto wichtiger ist echtes Material.
Wann KI-Bilder billig wirken
Ein Bild wirkt selten wegen eines einzelnen Fehlers schwach. Meist kommen mehrere Signale zusammen: wächserne Haut, unklare Hände, falsche Spiegelungen, bedeutungslose Schrift und ein Stil, der schon in vielen anderen Beiträgen auftaucht.
Der grössere Schaden entsteht durch Beliebigkeit. Wenn Farbe, Licht, Perspektive und Bildsprache bei jeder Publikation wechseln, bleibt keine erkennbare Marke. Das Bild sieht produziert aus, aber nicht nach dir. Es wird zur visuellen Variante von austauschbarem Text.
Lass ein Bild auch weg, wenn es nur eine freie Fläche füllt. Dekoration ohne Aussage macht einen Beitrag nicht verständlicher.
Qualitätskontrolle vor der Veröffentlichung
Prüfe jedes generierte Bild in der finalen Grösse. Ein Fehler, der am grossen Bildschirm auffällt, kann im Feed klein und trotzdem irritierend wirken.
- Anatomie: Stimmen Hände, Finger, Zähne, Augen, Ohren und Gelenke? Passen Schmuck, Brillen und Kleidung über das ganze Bild hinweg?
- Licht und Raum: Haben Schatten eine nachvollziehbare Richtung? Stimmen Spiegelungen, Perspektive, Grössenverhältnisse und Übergänge?
- Text: Ist jede sichtbare Schrift korrekt? Prüfe Schilder, Verpackungen, Displays und Bücher. Setze wichtige Texte und Logos besser im Layoutprogramm.
- Fakten: Zeigt das Bild Produkte, Maschinen, Karten, Gebäude, Sicherheitsausrüstung oder technische Abläufe korrekt? Lass Fachpersonen prüfen, was du selbst nicht beurteilen kannst.
- Marken und Logos: Sind fremde Kennzeichen, erkennbare Produktformen oder zufällige Fantasielogos enthalten? Entferne alles, was nicht bewusst ins Bild gehört.
- Markenkonsistenz: Passen Farben, Kontrast, Komposition, Motivwelt und Detailgrad zu deinen übrigen Bildern? Ein einzelner guter Prompt ersetzt kein Bildkonzept.
- Kontext: Könnte das Bild als Foto eines echten Ereignisses, Menschen, Ortes oder Resultats verstanden werden? Kennzeichne es klar oder wähle echtes Material.
- Barrierefreiheit: Beschreibe bei informativen Bildern im Alt-Text die relevante Aussage. Dekorative Bilder erhalten einen leeren Alt-Text. Erwähne die synthetische Herkunft dort, wenn sie für das Verständnis wichtig ist. Der Alt-Entscheidungsbaum des W3C hilft bei der Einordnung.
Rechte, Personen und Kennzeichnung sauber prüfen
Bei KI-Bildern treffen mehrere Fragen aufeinander. Dazu gehören die Rechte an deinen Eingaben, mögliche Rechte Dritter, die Bedingungen des Anbieters, Persönlichkeitsrechte und Vorgaben des Publikationskanals. Die Antwort hängt vom Tool, Tarif, Motiv, Markt und Verwendungszweck ab.
Prüfe deshalb vor der kommerziellen Nutzung:
- Welche Rechte räumt dir der Anbieter am Ergebnis ein?
- Darfst du Referenzbilder hochladen und kommerziell verarbeiten?
- Werden deine Eingaben oder Ergebnisse öffentlich angezeigt oder zum Remixen freigegeben?
- Gelten für deinen Tarif, deine Firmengrösse oder Kundenprojekte besondere Bedingungen?
- Enthält das Bild erkennbare Personen, Marken, Werke oder geschützte Figuren?
- Welche Kennzeichnungsregeln gelten aktuell im Zielland und auf der Plattform?
Verlass dich nicht auf eine alte Zusammenfassung. Öffne die aktuellen Bedingungen deines Anbieters direkt vor der Veröffentlichung. Die Midjourney Terms of Service zeigen beispielhaft, wie detailliert solche Regeln nach Tarif, Öffentlichkeit und Nutzung unterscheiden können.
Bei erkennbaren Menschen braucht es zusätzliche Sorgfalt. Das gilt für hochgeladene Fotos ebenso wie für Bilder, die einer realen Person stark ähneln. Hole die nötigen Freigaben ein und prüfe den konkreten Kontext. Der EDÖB ordnet Fotos und Persönlichkeitsschutz aus Schweizer Sicht ein. Für urheberrechtliche Fragen bietet das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum einen offiziellen Einstieg.
Auch Kennzeichnungen hängen vom Einsatz ab. Prüfe den aktuellen Stand der EU-Verordnung über künstliche Intelligenz, die Regeln deiner Plattform und die Vorgaben in den Zielmärkten. Wenn ein Bild leicht als Dokumentation missverstanden wird, ist ein sichtbarer Hinweis wie «Symbolbild, mit KI erstellt» sinnvoll. Metadaten allein reichen dafür nicht.
Content Credentials können Herkunft und Bearbeitungsschritte nachvollziehbarer machen. Sie beweisen nicht, dass die dargestellte Aussage sachlich stimmt. Faktenprüfung bleibt deine Aufgabe.
Vom Briefing bis zur Freigabe
Ein sauberer Ablauf verhindert, dass du dich erst beim Publizieren mit den wichtigen Fragen beschäftigst.
- Aufgabe klären: Definiere Aussage, Zielgruppe, Kanal und gewünschte Wirkung. Lege fest, ob das Bild illustrieren oder dokumentieren soll.
- Belegbedarf prüfen: Sobald das Bild eine reale Person, Leistung, Situation oder Wirkung belegen soll, planst du ein Foto, einen Screenshot oder eine sachlich geprüfte Grafik.
- Bildsystem festlegen: Bestimme Farben, Perspektive, Licht, Komposition und zulässige Motive. Halte auch fest, was nicht erscheinen darf.
- Varianten erstellen: Generiere mehrere Richtungen. Nutze nur Referenzen, für die du die nötigen Rechte und Freigaben geprüft hast.
- Auswahl bearbeiten: Korrigiere Fehler. Ergänze Text und Logos ausserhalb des Bildgenerators. Prüfe den finalen Ausschnitt für Website, Feed und Präsentation.
- Vier-Augen-Prüfung durchführen: Eine zweite Person kontrolliert Anatomie, Fakten, Markenwirkung und mögliche Missverständnisse. Fachliche Motive gehen zusätzlich an die zuständige Fachperson.
- Rechte und Kennzeichnung prüfen: Kontrolliere die aktuellen Anbieterbedingungen, Plattformregeln und Bedingungen der Zielmärkte. Dokumentiere Tool, Datum, Freigabe und Herkunft des Bildes.
- Barrierefrei publizieren: Schreibe den Alt-Text aus dem Seitenkontext heraus. Prüfe nach dem Upload, ob Beschriftung, Ausschnitt und Herkunftshinweise erhalten geblieben sind.
KI-Bilder sind ein Teil des Produktionsprozesses. Die Verantwortung bleibt bei dir. Mehr dazu findest du im Beitrag KI im Redaktionsprozess und im Überblick zur KI-Nutzung im Content.
Die klare Leitplanke lautet: Nutze synthetische Bilder für Vorstellungen. Nutze echte Bilder für Tatsachen.
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